OBJEKT.KUNST

Serie Bildband. Der Darß.
Diese Serie ist im März 2026 in meinem ART LAB "Finding The Third Dimension" im Satellit Pop-Up-Space, Mönckebergstraße 3, in Hamburg entstanden.
Die inspirierenden Foto-Drucke habe ich dem Bildband "Der Darß. Fischland und Zingst. Eine Bildreise" von Georg Jung entnommen. 

Meine Assemblagen entstehen aus der Auseinandersetzung mit Landschaft als Erfahrungsraum und als Bild. Mich interessiert nicht die reine Abbildung von Natur, sondern die Frage, wie sich äußere Kräfte, Zeit und Wahrnehmung in ihr einschreiben – und wie sich diese Einschreibungen künstlerisch weiterführen lassen. Die Windflüchter am Darß sind für mich sichtbare Zeichen solcher Prozesse. Ihr Wuchs ist das Resultat eines dauerhaften Einwirkens von Wind – eine Form, die nicht gestaltet, sondern entstanden ist. Dieses natürliche „Geformt-Werden“ greife ich auf und übertrage es in einen bewussten Eingriff in das fotografische Bild.
Indem ich Fäden in die Oberfläche des Fotodrucks einarbeite, durchdringe ich das Bild und öffne es in den Raum. Die Fotografie ist für mich keine abgeschlossene Fläche, sondern eine Membran zwischen Wirklichkeit und Konstruktion. Die linearen Strukturen, die ich einziehe, stehen in einem bewussten Gegensatz zur organischen Form der Landschaft. Der Faden markiert eine Setzung, eine Verbindung, aber auch eine Spannung zwischen dem, was ist, und dem, was hinzugefügt wird. Der Faden steht dabei nicht nur für Linie und Verbindung, sondern auch für eine heilende Geste – ein behutsames „Nähen“ im übertragenen Sinne. Die Verwendung einer fluoreszierenden Signalfarbe macht diesen Eingriff sichtbar. Sie verweigert jede Anpassung an die natürliche Farbigkeit und markiert bewusst die Dringlichkeit des Handelns.
Dass die Fäden den Bildträger verlassen und sich im Raum fortsetzen, ist wesentlich. Sie führen zu einem Feuerstein – einem Hühnergott, den ich selbst gefunden habe. Dieses Objekt trägt eine kulturelle Bedeutung in sich, die über das Sichtbare hinausweist. Es steht für Schutz, für Glück, für Zufall, für das Auffinden. In der Verbindung von Faden und Stein liegt für mich auch eine Form von Hoffnung: die Hoffnung, dass notwendige Maßnahmen zum Schutz dieses sensiblen Lebensraums rechtzeitig erfolgen und die Ostsee in ihrer Einzigartigkeit erhalten bleibt. Mein künstlerisches Arbeiten ist eng mit einem ökologischen Bewusstsein verbunden. Ich engagiere mich für den Schutz der Ostsee, die ich nicht nur als Landschaft, sondern als verletzlichen Lebensraum begreife. In diesem Zusammenhang beziehe ich mich auf die Konzept "MEN´S FIVE SKINS" von Friedensreich Hundertwasser, der die Umwelt als „fünfte Haut“ des Menschen beschreibt – eine Erweiterung unseres eigenen Daseins, die es zu schützen gilt. Diese Idee habe ich bereits in meiner Rauminstallation "Healing The Fifth Skin" aufgegriffen. Die Serie "Bildband. Der Darß" führt diese Auseinandersetzung fort, indem sie Natur, Eingriff und Verantwortung miteinander verschränkt. In der Verbindung von Fotografie, Faden und Fundstück auf dem Boden bewegen sich die einzelnen Kunstwerke zwischen Fläche und Raum, zwischen Abbild und Objekt.
Serie "Bildband. Der Darß.", Ausstellungsansicht im ART LAB "Finding The Third Dimension" vom März 2026
Assemblage, Darßer Windflüchter, 3/2026, Mixed Media, H x B x T cm
 Detail-Ansichten Darßer Windflüchter
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